2018 - Steile Felswände und tosende Wasserfälle

2018 - Steile Felswände und tosende Wasserfälle

Steile Felswände und tosende Wasserfälle

Eine außergewöhnliche Reise erlebte ich im Mai 2018, als wir (Erika und ich) erstmals Erfahrungen mit einem Wohnmobil sammelten. Ursprünglich war die Ostsee unser Ziel, doch schließlich führte uns die Fahrt ins 450 Kilometer entfernte Lauterbrunner Tal. Es sollte die erste Station in Richtung Süden sein, denn es lockte das schöne Wetter am südlichen Gardasee, den wir aber auf dieser Reise nicht erreichen sollten.

Angekommen in Lauterbrunnen, ein Schweizer Dorf auf 800 Meter Höhe, eröffnete sich uns eine einzigartige Landschaft, die auch das Tal der 72 Wasserfälle genannt wird. Noch bevor wir unseren Standplatz auf dem Campingplatz erreichten beeindruckte uns der über 300 Meter hohe Staubbachfall, der einer der höchsten freifallenden Wasserfälle in Europa ist.

Eine Inspiration für Goethe

„Strömt von der hohen steilen Felswand, der reine Strahl. Dann stäubt er lieblich in Wolkenwellen zum glatten Fels und leicht empfangen wallt er verschleiernd leisrauschend zur Tiefe nieder“

So heißt es in Goethe´s Gedicht „Gesang der Geister über den Wassern“, zu dem er im Jahr 1779 bei seinem Besuch in Lauterbrunnen und dem Anblick des Staubbachfalls inspiriert wurde. Schon vor über 200 Jahren gehörte der berühmte deutsche Dichter zu den Romantikern und Naturliebhabern, die zum Staubbachfall bei Lauterbrunnen pilgerten.

Das der Dorfname „Lauter Brunnen“ schon darauf hindeutet, was uns in dem Seitental des Berner Oberlandes erwartet, war uns bis zu diesem sonnigen Tag im Mai 2018 nicht bewusst. Zwei Jahre zuvor waren wir bereits in der Jungfrau-Region unterwegs gewesen, hatten aber den Höhepunkten auf dem Jungfraujoch und den Wanderwegen rund um die Kleine Scheidegg unser Hauptaugenmerk geschenkt und in Lauterbrunnen nur das Parkhaus für unser Fahrzeug genutzt. Unsere Ferienwohnung lag damals im autofreien Wengen, das man mit der Zahnradbahn in Richtung Eiger, Mönch und Jungfrau erreicht.

Jungfernfahrt in die Jungfrauregion

Es war nicht nur unsere Jungfernfahrt, sondern auch für unser 130 PS starke Wohnmobil, das wir uns gemietet haben und mit dem wir unsere ersten Camping-Abenteuer erlebten. Schon das Einführungsprogramm durch eine Mitarbeiterin des Vermieters war höchst eindrucksvoll und verwirrend. „Sie müssen auf die Höhe von 2,90 Meter achten und vor der Abfahrt die Gasflaschen zudrehen.“ Was noch alles:  Fahrradhalter und vieles mehr. Es wird schon werden….und es wurde!

Die Fahrt in die Schweiz war problemlos über die Autobahnen, nur auf den letzten Kilometern von Interlaken nach Lauterbrunnen wurde es für das 2,20 Meter breite und 6,70 lange Gefährt gefühlsmäßig etwas eng auf der Bundesstraße.

Dann haben wir es erreicht, unser erstes Ziel der Reise, der Campingplatz Jungfrau am Fuße des Staubbachfalls. Die freundlichen Mitarbeiter zeigten uns die Stellplätze und wir entschieden uns sofort für einen Platz an einem rauschenden Gebirgsbach, der „Weiße Lütschine“. Was für eine tolle Gebirgswelt eröffnete sich unseren Blicken: Rechts und links steile Felswände und im Hintergrund der schneebedeckte Gipfel des fast 3.800 Meter hohen Breithorns.

Die höchsten Wasserfälle und glückliche Kühe

Das Lauterbrunner Tal lädt ein zum gemütlichen Wandern, bei dem man eine große Vielfalt schönster Alpenblumen und wirksamer Heilkräuter entdecken kann. Entlang der Weißen Lütschine kommt man unterwegs noch an zwei imposanten Wasserfällen vorbei. Zunächst der Spissbachfall und dann der Mürrenbach mit der höchsten Fallhöhe von über 400 Meter. Zwischendurch ist immer wieder das Läuten der Kuhglocken zu hören und wir können sicher sein, dass wir in diesem Tal glückliche Kühe auf ihren Weiden beobachteten.

Als sich ein wunderschöner erster Tag im Lauterbrunner Tal seinem Ende entgegen neigte, war unser Entschluss schnell gefasst. Wir bleiben hier und genießen diesen wundervollen Flecken unserer Erde ein paar Tage länger. Der Gardasee kann warten und wird auch in den nächsten Jahren noch da sein.

Ein in Europa einzigartiges Naturschauspiel

Die Trümmelbachfälle, lautes Donnern und Tosen im Berginnern, gurgelnde, schäumende und wirbelnde Wasser: Wir haben die größten unterirdischen Wasserfälle erlebt und waren beeindruckt von der Wucht des Wassers, das ahnen lässt, warum der Name Trümmelbach von Trommelbach kommt. Die insgesamt zehn tosenden  Gletscherwasserfälle waren ein Erlebnis für sich in dem ansonsten so ruhigen Lauterbrunner Tal. Über einen schmalen Weg, einem 100 Meter hohen Tunnellift und eine Felsengalerie zugänglich, kann man den großen Wassermassen zuschauen, die das Schmelzwasser der Gletscherwände zu Tal transportieren. So sollen es bis zu 20.000 Liter Wasser in der Sekunde sein, die da während der Schnee- und Gletscherschmelze alljährlich von April bis September in die Tiefe donnern. So werden vom  Trümmelbach die riesigen Gletscherwände von Eiger, Mönch und Jungfrau, sowie das Lauberhorn mit der weiträumigen Wengeralp entwässert. Wir haben ein Naturschauspiel erlebt, das in Europa einzigartig ist.

Spaziergänge und Radeln durch das Lauterbrunner Tal

Im Tal der 72 Wasserfälle gibt es viele Wege, die zu einem Spaziergang oder eine Radtour einladen. Wir haben uns für ein gemütliches Tempo entschieden und unsere Touren, ob zu Fuß oder mit dem Rad, zu unterschiedlichen Tageszeiten wiederholt. Besonders angenehm ist die Radtour vom auf 800 Meter Höhe liegenden Lauterbrunnen ins 100 Meter höher gelegene Stechelberg, die etwa acht Kilometer lang leicht und kaum merklich ansteigend ist. Wir freuten uns dann immer auf die gemütliche Rückfahrt, bei der man das Gefühl hat, vom Rückenwind getragen zu werden. Natürlich ist es genauso schön, in rund zwei Stunden den Weg zu wandern und sich die Zeit zu nehmen, um in aller Ruhe die wunderschönen Wasserfälle zu bestaunen. Ab und so überraschte uns ein Basejumper, der sich in  seinem Flügelanzug mit gespreizten Armen und Beinen in die Tiefe stürzte, bevor mit einem Knall sein Fallschirm öffnete.

Wie ein Vogel im Tal des Todes

„Fliegen wie ein Vogel“, wollen die Basejumper, die jedes Jahr zu Hunderten zu den steilen Felswänden des Lauterbrunner Tals kommen, aber auch für dessen wenig erfreulichen Beinamen „Tal des Todes“ gesorgt haben. Mehr als 40 Basejumper sollen die Lauterbrunner Tal schon ihr Leben gelassen haben, bei rund 30.000 Sprüngen der Extremsportler, die sich von 16 Absprungstellen von bis zu 800 Meter hohen Felswänden in die Tiefe stürzen können.

Vom Mekka der Basejumper haben wir nur die schönen Seiten erleben dürfen, wenn die Springer langsam mit ihrem Fallschirm auf einer der bunten Wiesen landeten, ihre Sachen einpackten und dann mit zügigen Schritten wieder zurück nach Lauterbrunnen zu laufen, um den nächsten Sprung vorzubereiten.

Viel mehr beeindruckte uns die Ruhe des wunderschönen Tals mit der herrlichen Aussicht auf die schneebedeckten Berge und das Naturerlebnis rund um unseren Campingplatz an der „Weißen Lütschine“, deren Rauschen uns so vertraut geworden ist.

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