Kristallklares Wasser, malerische Orte und steile Felswände – das alles erleben Besucher des Königssees im Berchtesgadener Land. Im Südosten von Bayern, nahe an der Grenze zu Österreich waren wir zu Gast in Schönau am Königssee, der mit seinem glasklaren Wasser und Biegungen wie ein norwegischer Fjord wirkt. Die beeindruckende Bergkulisse mit dem sagenumwobenen Watzmann, der als einer der schönsten Berge der Welt gilt, wird auch als „Perle der Alpen“ bezeichnet, die alljährlich viele Besucher anzieht.

 

Im Berchtesgadener Land am Königssee

Wir waren während der Corona-Pandemie Ende September 2020 einige Tage in dem Naturparadies Berchtesgadener Land unterwegs und erlebten neben der wunderschönen Natur und bezaubernden Ausblicken eine wohltuende Ruhe. Sicher ungewöhnlich war, dass nur wenige Touristen aus Asien oder den USA unter den Gästen waren, die fast ausnahmslos deutsch sprachen. „Urlaub in Deutschland“ war im Corona-Jahr 2020 sehr gefragt und das konnten wir bei unserem Besuch im Berchtesgadener Land bestätigen.

Ausgangspunkt war unser Hotel in Schönau, nur wenige hundert Meter vom Ufer des Königssees entfernt. Die reizvolle Lage der Nationalparkgemeinde lud uns nach der Ankunft sofort zu einer ersten Stippvisite am See ein, die mit einem Abendessen im urigen Seerestaurant „Echostüberl“ unterhalb der berühmten Rodel- und Kunsteisbahn endete. Auf der Sonnenterrasse direkt am See genossen wir nicht nur einen „Schweinsbraten“, sondern auch einen herrlichen Panoramablick auf den Königssee und die Berchtesgadener Bergwelt.

Nach dem Essen nutzten wir den Rückweg zu einer kleinen Fotosession an der „Seeklause“, ein Stauwehr, das Ende des 18. Jahrhunderts mit einer Holzbrücke und Walmdach zur Abfluss- und Seeregulierung erbaut wurde. Am Nordende des Königssees wurde die „Seeklause“, auch Triftwehr genannt, früher genutzt, um geschlagenes Holz auf dem Abfluss, der „Königseeer Ache“ bis zur „Ramsauer Ache“ zu triften.

 

Das Wahrzeichen des Königssees

Am Königssee fallen die mächtigen Felsen der Berchtesgadener Alpen fast senkrecht zum Ufer ab. So müssen Besucher mit dem Boot fahren, um die beeindruckende Naturkulisse zu erleben. Nach dem Kauf einer Fahrkarte an den Kassen der Seelände fahren die Besucher mit einem der 18 fast baugleichen Elektromotorboote lautlos und umweltfreundlich, vorbei an der einzigen Insel „Christlieger“, bis zum beliebten Zwischenstopp an der weltberühmten Echowand. Es ist immer ein besonderer Moment für den Bootskapitän, wenn er mit seinem Flügelhorn eine bayerische Weise in Richtung der Echowand bläst, die dann von den Felswänden und Bergschluchten widerhallt. Der nächste Zwischenstopp ist an der Wallfahrtskirche St. Bartholomä, die mit ihrem roten Kuppeldach das Wahrzeichen des Königssees ist.

 

Der kleine Bruder mit smaragdgrünem Wasser

Wir blieben auf dem Elektroboot und fuhren weiter bis zum Südufer des Königsees, der Bootshaltestelle „Salet“ von der man in wenigen Gehminuten den Obersee, den „kleinen Bruder“ des Königssees erreicht. In vollkommener Abgeschiedenheit erlebten wir die unberührte Natur des malerischen Obersees, der von den steilen Felswänden des Watzmannmassivs eingebettet ist. Unsere Wanderung entlang des Obersees führt und bis zur „Fischunkelalm“, im Herzen des Berchtesgadener Nationalparks. Wir bezwangen das Auf und Ab eines beschwerlichen Pfades über Wurzeln und Steinstufen, bevor wir auf 620 Meter Höhe die idyllische Alm am Seeufer. Im smaragdgrünen Wasser spiegeln sich die umliegenden Berge, so dass der Obersee sich für uns zum beliebtesten Fotoobjekt entwickelte und wir zudem einfach einmal unsere Seelen baumeln lassen konnten. Einziger Wermutstropfen war, das Ende September der höchste Wasserfall Deutschlands, der 450 Meter hohe Röthbach-Wasserfall, in der Nähe der Fischunkelalm ohne Wasser nur zu erahnen war. Auf jeden Fall hat sich die einstündige Wanderung von der Saletalm zur Fischunkelalm gelohnt und der Rückweg war dann über die hohen Stufen des Pfades etwas leichter als auf dem Hinweg.

 

Ein ehemaliger Triftkanal von kulturhistorischem Wert

Zwischen Königssee und Obersee, die durch einen Bergsturz im 12. Jahrhundert getrennt wurden, fließt der 600 Meter lange Saletbach, ein ehemaliger Triftkanal, der renaturiert wurde und heute von kulturhistorischem Wert ist.

Auf dem Rückweg zur Bootsanlegestelle verzichteten wir auf einen Besuch der bewirtschafteten Saletalm, da am späten Nachmittag sich – mit Abstand – schon eine beträchtliche Menschenansammlung zur Rückfahrt mit den Elektrobooten gebildet hatte. Alle 15 Minuten kam ein Boot zur Anlegestelle „Salet“, so dass wir schneller als gedacht wieder in Schönau ankamen.

 

Königsblick und tolle Aussichten auf den Watzmann

Spektakuläre Ausblicke genossen wir einen Tag später von der 1.800 Meter hohen Bergstation des Jenner. Nach einer schönen Seilbahnfahrt und dem „Königsblick“ unterhalb des Jennergipfels überraschte uns ein leichter, knapp zwei Kilometer langer Wanderweg rund um den „Speicherteich“. Dieser Rundweg führt von der Mittelstation der Jennerbahn zu dem künstlich angelegten Wasserreservoir zur Beschneiung des Skigebiets. Wir nutzen eine der Ruhebänke, um in aller Ruhe die tolle Aussicht auf den Watzmann ausführlich zu genießen.

Eine der schönsten Wanderungen am Königssee ist sicher der knapp vier Kilometer lange Malerwinkel-Wanderweg, der in eineinhalb Stunden leicht zu gehen ist und immer wieder schöne Ausblicke auf den See bietet. Höhepunkt ist der Aussichtspunkt am Café Malerwinkel mit Blick auf die südliche Spitze des Königssees. Nach Kaffee und Kuchen waren es nur noch knapp 20 Minuten bis nach Schönau, das wir über einen Weg vorbei an den alten Bootshütten erreichten.

 

Einer der schönsten Wanderwege in Deutschland

Einen regnerischen Tag nutzten wir, um den „Königsseer Fußweg“ entlang der Ache nach Berchtesgaden zu wandern. Dieser Wanderweg gehört zu Deutschlands schönsten Wanderwegen und ist ein Teil des Weitwanderweges „Salzalpensteig“, der vom Chiemsee zum Hallstätter See führt. Wir wanderten vom Schönauer Triftplatz, der einst Umschlagplatz für das geflößte Holz war, in Richtung Berchtesgaden und kamen an zahlreichen Schautafeln vorbei, die von der Geschichte der Holzwirtschaft im Berchtesgadener Tal erzählten. Zu den Besonderheiten gehörte auch der Hinweis auf die „Königsseebahn“, der ehemaligen rund vier Kilometer langen Zugverbindung zwischen Berchtesgaden und Königssee, die von 1909 bis 1971 in Betrieb war. Von der ehemaligen Bahntrasse ist nichts mehr zu sehen und der alte Bahnhof, ein Jugendstil-Empfangsgebäude in Schönau, beherbergt heute eine Ausstellung über die Schauspielerin Romy Schneider unter dem Motto „Ein Weltstar kehrt heim“.